Wann muss ein Dach neu eingedeckt werden?
Ein Dach braucht eine neue Deckung, wenn Ziegel oder Steine großflächig porös, verwittert oder gerissen sind, wenn nach Stürmen immer wieder Teile fehlen oder wenn die Lattung darunter nachgibt. Auch Moos in großen Flächen kann ein Zeichen für eine Deckung sein, die Wasser aufnimmt. Einzelne kaputte Ziegel sind dagegen ein Fall für eine Reparatur, keine Neueindeckung.
Die Lebensdauer hängt stark vom Material ab. Fachportale nennen für Betondachsteine mehr als 50 Jahre, für Tondachziegel mehr als 80 Jahre, für Blech 40–50 Jahre und für Naturschiefer teilweise über 100 Jahre. Bitumenschindeln halten 20–40 Jahre.

Was kostet es, ein Dach neu einzudecken?
Das Deckmaterial allein kostet etwa 15–45 € je m² bei Bitumenschindeln, 20–50 € bei Betondachsteinen, 35–70 € bei Tondachziegeln und bis zu 120 € bei Naturschiefer. Dazu kommen Arbeit, Lattung, Gerüst und Entsorgung.
Für ein Einfamilienhaus mit 130 m² Dachfläche nennt eine aktuelle Übersicht 10.400–19.500 € für die Neueindeckung ohne Dämmung. Gerüst, Entsorgung und Dämmung machen häufig ein Drittel der Gesamtkosten aus. Alle Spannen und Nebenkosten stehen auf der Seite Kosten, den Materialvergleich finden Sie im Ratgeber Dachmaterialien im Vergleich.
Darf ich ein Dach ohne Dämmung neu eindecken?
Nur in Ausnahmen. Wird die Deckung samt Lattung erneuert, gilt nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz für beheizte Dachräume der Höchstwert U = 0,24 W/(m²K), sofern mehr als 10 % der Dachfläche betroffen sind.
Das betrifft Dächer über beheizten Räumen. Liegt unter dem Dach ein kalter, ungenutzter Dachboden, kann stattdessen die oberste Geschossdecke gedämmt werden. Oberste Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen müssen laut Verbraucherzentrale nachträglich gedämmt werden, wenn sie zu schlecht oder gar nicht gedämmt sind. Welche Lösung für Ihr Haus gilt, prüft der Fachbetrieb, bei Förderung zusätzlich der Energieeffizienz-Experte.
Wie läuft eine Neueindeckung ab?
- Besichtigung und Angebot mit Material, Deckart, Lattung, Unterspannbahn und Klempnerarbeiten
- Gerüst stellen, alte Deckung abnehmen, Lattung und alte Folien entfernen und entsorgen
- Sparren prüfen, bei Bedarf ausbessern, dann Dämmung ergänzen, wenn sie vorgesehen oder vorgeschrieben ist
- Unterspannbahn oder Unterdeckung, Konterlattung und neue Lattung verlegen
- Neue Deckung mit First, Grat, Ortgang und Anschlüssen, danach Rinnen und Bleche
- Abnahme mit Protokoll und Übergabe der Rechnungen, bei Förderung mit Bestätigung des Energieeffizienz-Experten
Welches Material passt zu meinem Haus?
- Tondachziegel: langlebig, farbecht, in vielen Formen. Der Biberschwanz ist in Ost- und Süddeutschland besonders verbreitet und prägt viele Altstädte.
- Betondachsteine: günstig und robust, etwas schwerer, Oberfläche altert sichtbarer.
- Naturschiefer: sehr langlebig und teuer, handwerklich anspruchsvoll. Wichtig bei Denkmalen und in Regionen mit Schiefertradition.
- Metall (Stehfalz, Blechpfannen): leicht, auch für flache Neigungen, braucht Schallschutz und fachgerechte Anschlüsse.
Bei Kulturdenkmalen und in Altstädten mit Gestaltungsvorgaben ist das Material oft nicht frei wählbar. Klären Sie das vor dem Angebot mit der unteren Denkmalschutzbehörde oder dem Bauamt.
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Häufige Fragen
Kann ich alte Ziegel wiederverwenden?
Bei denkmalgeschützten Dächern werden intakte alte Biberschwänze oft sortiert und wieder verlegt oder mit passenden Altziegeln ergänzt. Bei normalen Häusern lohnt sich das selten, weil Aussortieren Arbeitszeit kostet und alte Ziegel unterschiedlich verwittert sind.
Wie schwer darf die neue Deckung sein?
Wer von einer leichten auf eine schwerere Deckung wechselt, sollte die Tragfähigkeit des Dachstuhls prüfen lassen. In höheren Schneelastzonen, etwa rund um Chemnitz oder Freiberg, ist das besonders wichtig.
Muss das Gerüst extra bezahlt werden?
Ja, das Gerüst ist fast immer eine eigene Position. Eine aktuelle Übersicht nennt 8–15 € je m² Fassadenfläche bei einer Standzeit von zwei bis vier Wochen.
Bekomme ich für eine Neueindeckung Förderung?
Nicht für die Neueindeckung allein. Gefördert wird die Dämmung. Wenn Sie beim Neueindecken dämmen und die Förderbedingungen erfüllen, gibt es 15 % Zuschuss vom BAFA.